Meine Steine und ich schwingen gemeinsam


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Therapiearbeit

Therapiearbeit

Vortrag Gamed Kongress 12.10.2018

Inneren Bildern folgen – Bidlhauern in Stein

Vertrauen in den Stein

Innere Bilder aus ihrem unsichtbaren Archiv freigeben, heißt auch eine Bühne oder Plattform bereitzustellen auf der sie sichtbar werden können. Als besonders nachhaltiges Medium hat sich in dieser Hinsicht der Stein erwiesen.

Meistens werden nicht viele Gedanken verschwendet über eine der gewöhnlichsten Dinge unseres Lebens –
den Stein, fast ein Archetyp. Oft gehen wir im wahrsten Sinne des Wortes über ihn hinweg. In gewisser Weise war er schon immer da und entzieht sich gleichsam dem Faktor Zeit. Die ihm eigene, unerschütterliche Ruhe erleichtert es ihm, uns Vertrauen entgegenzubringen.

Im ersten Gegenüber mit dem Stein empfinden wir ein besonders starkes Moment der Erdung. Es wird uns erst nach und nach bewusst, dass wir ein tatsächliches Stück Land vor uns haben: ein Stückchen „Mutter Erde“. Der matriarchalische Aspekt hilft uns, die Yang betonte „Bewaffnung“ mit Hammer und Meisel ausgeglichen zu empfinden.

Aufbruch ins Unbekannte

Mit dem unvoreingenommenen Herangehen an den Stein sind wir auch bereit, Neuland zu betreten. Analog mit dem ersten Aufbrechen des Blocks beginnt auch in uns ein Aufbruch zu weitreichenden Entwicklungsschritten des Umbruchs. Es drängt sich der Vergleich auf mit dem Urbild des Bauern, der mit dem Pflug seine Scholle aufbricht. Unser kleines Stück (tatsächliches) Land, brechen wir sinngemäß ganz ähnlich mit unseren Werkzeugen auf, um das keimfähige Saatgut aus unserem innersten Bild-Speicher auszubringen.

Wir brechen mit den Handwerkzeugen festgefügte Strukturen am Stein auf und öffnen hartnäckig Verfestigtes auch in uns. Gleichzeitig mit dem Absplittern der kleinen Teile am Block werfen auch wir Schlag auf Schlag Ballast ab. Wege tun sich auf, die über die selbst gesetzten Grenzen des Gewohnten hinausführen. Dieses Aufbrechen, um den Horizont weit zumachen, bedingt entschlossenes Handeln und einen gesunden Freiheitsdrang.

Befreiungs-Schläge

Im Alltag des 21. Jahrhunderts ist eine Menge Lebensenergie in den Menschen dazu verurteilt, nicht in Erscheinung zu treten. Rationale Abläufe könnten dadurch gestört werden. Gleichwohl ist in allen von uns ein großes Potenzial an Schöpferkraft vorhanden. Es drängt danach, sich zu manifestieren und Energieströme freizusetzen. Wenn wir diese Energien unbeachtet lassen, verschaffen sie sich an anderer Stelle und meistens zu ungünstigster Zeit einen Durchbruch.

Wir haben es in der Hand, diesem Potenzial Wege in die Freiheit zu bereiten. Unsere Energie, die wir mit den Handwerkzeugen auf den Stein übertragen, kann man dann auch als Befreiungsschläge bezeichnen. Wir befreien uns von der Erstarrtheit des „Müssens um jeden Preis" zugunsten des „Dürfens in spielerischer Leichtigkeit". Mit eben dieser Leichtigkeit befreien wir das innere Kind aus seiner Verbannung. Es tritt dann mit seiner Spielgefährtin, der Poesie, in unser Leben. Das innere Kind führt Regie zusammen mit unseren beiden wichtigsten Assistenten, denen wir so sehr vertrauen. Es sind...

...unsere Hände

Unsere Hände „wissen selbst am besten“, wie der Energiefluss der inneren Bilder – wir nennen sie jetzt einmal die Software aus der eigenen Mitte – eine stabile Formensprache an der Hardware des Steinblocks entwickeln kann. Die Hände übertragen aus dem Unsichtbaren ins Sichtbare. Unsere unverwechselbar eigenen Erzählungen nehmen Form an – ohne Worte, aber leicht zu begreifen.

Ähnlich wie beim Gehen auf einem Pilgerweg wird die eigene zentrale Wellenlänge – eine Übereinstimmung von Arbeitsrhythmus, Herzrate und Atemfrequenz – zur eigentlichen Steuerung des schöpferischen Vorgehens am Stein. Genaugenommen beschreiten wir eine Art „Pilgerweg für die Hände“.

Teilen und Mitteilen

Am Beginn liegt kein großes Augenmerk auf der Kommunikation, die wir untereinander mit unseren fast musikalischen Klängen der Handwerkszeuge erschaffen. Ohne Worte erzählen wir durch eine Art Codierung, die sich aus unserem ganz persönlichen Schlagrhythmus ergibt, Wesentliches über uns selbst. Aber wir plaudern nichts aus.

Wir teilen unseren Ist-Zustand auf eine besondere Art und Weise, wie es auch ein Musikstück tut, mit allen anderen: ob beim gemeinsamen Arbeiten in einer Seminargruppe oder mit Interessierten, angelockt durch die Klänge unserer Handwerkzeuge. Dieses Teilen und Mitteilen besteht demnach in einer Energie-Übertragung, die in einer Arbeits- oder Seminargruppe auf vielfache Weise gegenläufig verstärkt wird.

Wert und Selbstwert

Anfangs ist es meist kein großes Thema, dass die von uns im Stein gespeicherte Formensprache von allen Menschen – unabhängig von Kulturkreis und Sprache – gelesen und mit den Händen entschlüsselt werden kann. Sie ist somit im wahrsten Sinne des Wortes gut begreifbar. Unsere festgefügten Aufzeichnungen bleiben unverändert wertbeständig für Generationen. Oft machen wir uns über diesen Wert kaum Gedanken, dieser Faktor ist jedoch für unseren Selbstwert von großer Bedeutung.

Im Zuge des therapeutischen Bildhauerns hat uns der Stein nach und nach eine neu zu definierende Selbstsicherheit offeriert. Das organische Zusammenwirken von rationalem Denken, emotional motivierter Schöpferkraft und spiritueller Wellenlänge bildet einen Dreiklang, der hervorragend geeignet ist, allen Aufgabenstellungen des Alltags mit der kreativen Vielfalt, die uns der Stein gelehrt hat, entgegenzutreten.

Das therapeutische Bildhauern bezieht seine Berechtigung erst aus dem Umstand, dass die oben beschriebenen Faktoren der Erneuerung und Befreiung die „Alltagstauglichkeit“ des Einzelnen auf eine selbstsichere Weise verbessern. Die therapeutisch orientierten Schöpfungsprozesse am Stein sind wesentlich dazu geeignet, die „Normalität“ unserer Tage auf eine ganzheitlich erneuerte Frequenz anzuheben.


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